Wie berechnet man den richtigen Stundensatz im Handwerk in Österreich?
Der Stundensatz ist keine Frage des Bauchgefühls, sondern eine betriebswirtschaftliche Kalkulation. Die Grundformel lautet:
- Lohnkosten ermitteln: Bruttolohn × 12 Monate × Anzahl Mitarbeiter × 1,29 (AG-Sozialabgaben Österreich ca. 28–30 %: ASVG-Dienstgeberbeitrag, DB, DZ, Wohnbauförderungsbeitrag). Das ergibt die jährlichen Personalkosten.
- Gemeinkosten ermitteln: Miete, Fahrzeuge, Werkzeug/Maschinen, Versicherungen, Büro, Software (BMD/RZL), Steuerberater, Telefon — alles, was anfällt egal ob Sie einen Auftrag haben oder nicht.
- Produktive Stunden berechnen: Ausgangspunkt sind ca. 220 Arbeitstage/Jahr. Abzug: 25–30 Urlaubstage (je nach KV und Betriebszugehörigkeit), ca. 13 Feiertage, 10 Krankenstandstage, unproduktive Zeit (Fahrten, Büro, Materialholen). Richtwert: 1.400–1.600 produktive Stunden pro Mitarbeiter und Jahr.
- Selbstkosten pro Stunde: (Lohnkosten + Gemeinkosten) ÷ produktive Stunden = Ihre Mindestkosten je Stunde.
- Gewinnzuschlag addieren: 15–20 % sind branchenüblich und decken Investitionen, Risiko und unternehmerischen Gewinn.
- MwSt aufschlagen: Netto-Stundensatz × 1,20 = Brutto-Stundensatz für den Kunden (20 % österreichische Umsatzsteuer).
Wichtig: Viele Betriebe unterschätzen die Gemeinkosten und die tatsächlich produktiven Stunden. Wer realistisch kalkuliert, vermeidet Verlustaufträge.
AG-Sozialabgaben in Österreich: Was kostet ein Mitarbeiter wirklich?
In Österreich trägt der Dienstgeber neben dem Bruttolohn folgende Abgaben (Richtwerte 2026):
- ASVG-Dienstgeberbeitrag (KV, PV, AV, UV): ca. 21,2 %
- Dienstgeberbeitrag (DB) zum Familienlastenausgleichsfonds: 3,7 %
- Zuschlag zum DB (DZ): ca. 0,4 % (je nach Bundesland)
- Wohnbauförderungsbeitrag: 0,5 %
- Kommunalsteuer: 3 %
In Summe ergibt das ca. 28–30 % Aufschlag auf den Bruttolohn — der Rechner verwendet einen Faktor von 1,29. Für präzise Werte empfiehlt sich die Berechnung in BMD oder RZL gemeinsam mit dem Steuerberater.
Stundensätze nach Gewerk 2026 (Österreich)
Die folgende Tabelle zeigt marktübliche Netto-Stundensätze (ohne MwSt) in Österreich 2026. Diese Werte sind Richtwerte — regionale Unterschiede (Wien vs. ländlicher Raum) und Betriebsgröße können erheblich abweichen.